Juli 2019

/Juli 2019
Juli 2019 2019-07-11T11:32:47+00:00

ELIEZER BEN YEHUDA – TEIL 7DAS GEHEIMNISS SEINES ERFOLGSTräumer, Visionär, Lehrer, Mentor, Lexikograph, Staatsmann, Organisator, Vorbild, Stratege, Gelehrter, Kämpfer, ein Mann, der sein Volk demütig liebte und die Bibel studierte

0419 - Ben Yehuda with Hemda and Judelovitch

Von links: Eliezer, Ehefrau Hemda, David Judelovitch, ein früherer Schüler Eliezers, der einer der leitenden Erzieher wurde, die die Hebräische Sprache in die Schulen der Siedlungen brachten.

PDF-Datei

Als der große Krieg sich 1014 bis Palästina ausbreitete, suchten die Türken nach Spionen und Informanten unter den Juden Jerusalems und den Siedlungen. Sie sahen im Zionismus einen Feind, und Ben Yehuda war offensichtlich der erste auf ihrer Liste. Eigentlich hat nur das Bestechungsgeld des Philanthropen Baron Rothschild es verhindert, dass Ben Yehuda elf Jahre zuvor nicht wegen Verrats gehängt wurde. Sein Sohn, Ben Zion, der seinen Namen als Journalist in Itamar Ben Avi geändert hatte, beendete diskret ihre Familien-Zeitung, als die Gerüchte umgingen, dass er als Verräter hingerichtet werden soll.

Während der Krieg anhielt, zerstörten die Türken die jüdischen Siedlungen, nahmen ihnen die Tiere und Werkzeuge weg, sägten die Bäume ab, die von den Pionieren gepflanzt wurden und zerstörten ihre Felderträge. Ben Yehuda sah seine Träume zunichte gemacht. Tagelang wollte er nichts essen.

Seiner Frau Hemda graute es davor, dass die türkischen  Offiziere die Manuskripte und Notizen für die restlichen Bänder des Wörterbuchs konfiszieren könnten. Also brachte sie diese insgeheim zum amerikanischen Konsul, der ihr versicherte, dass sie bei ihm so sicher aufbewahrt werden, wie  in einem Safe in New York.

Für die ultra-orthodoxen Juden kamen keine Hilfsgüter an und keine Bank war geöffnet. Daher breiteten sich im Land Hungersnot und Armut aus, gefolgt von Epidemien wie z. B. Typhus. Erstaunlicherweise kam zur gleichen Zeit noch eine grausame Plage durch Heuschrecken übers Land, wodurch die wenigen übrig gebliebenen Feldfrüchte vernichtet wurden.

Hemda war so besorgt um Eliezers Gesundheit und Sicherheit, dass sie vorschlug nach Amerika zu fahren, bis der Krieg zu Ende ist. Bei diesem Chaos in Jerusalem hatte er einfach aufgehört an seinem Wörterbuch zu arbeiten. Hemda erklärte, er könne in Amerika in Ruhe am Wörterbuch weiterarbeiten. Doch Ben Yehuda wollte nichts davon hören. Er würde bei seinem Volk bleiben, vor allem in den aktuellen schrecklichen Umständen.

Allerdings machten sich auch andere zionistische Leiter vor Ort Sorgen um ihn und sahen keinen Grund, warum das Leben einer bedeutenden nationalen Persönlichkeit gefährdet sein solle. Also entschieden sie zusammen mit Hemda, ihm offiziell eine Reise in die Vereinigten Staaten zu verordnen. Er bekam die Mission von entscheidender Bedeutung, und zwar die amerikanisch-jüdische Gemeinschaft dringend dazu aufzufordern, sich im Krieg auf die Seite der Briten zu stellen und nicht auf die Seite der Deutschen.

Die meisten Juden in Palästina hofften, dass die Briten zum Schluss den Krieg gewinnen werden, aber dafür brauchten sie die Amerikaner. Wenn – Gott bewahre – die Deutschen  gewinnen sollten, würden deren Verbündete, die Türken, auch gewinnen. Das würde das Ende des zionistischen Traums der Juden bedeuten, eine eigene Nation im früheren Israel zu haben.

DIE TÜRKEN ERLAUBEN BEN YEHUDA DIE AUSREISE NICHT

Schließlich willigte Ben Yehuda widerwillig ein, nach Amerika zu reisen. Doch nun hatten sie folgende Herausforderung: wie sollten er und seine Familie sich aus dem Land schleichen? Alle wussten schon, dass ihn die Türken aus eigenen Gründen nicht gehen lassen würden. Trotzdem fuhren sie mitten in der Nacht nach Jaffa, um ein Boot zu nehmen. Doch die ultra-orthodoxen meldeten den Türken ihre Flucht. Sie wurden erwischt, nachdem sie schon mit einem Lastkahn auf dem Weg zu einem Schiff auf dem Meer waren. Bei ihrem zweiten Versuch versah der osmanische Militär-Kommandant Eliezers Pass mit folgendem Stempel: „Gefährlicher Journalist, keine Erlaubnis von irgendeinem Hafen Palästinas abzureisen!“ und schickte sie umgehend zurück nach Jerusalem.

Beim dritten Mal luden zwei enge arabische Freunde von Eliezer den Kommandanten zu einem ausgiebigen und gemütlichen Essen ein, während der gesuchte Mann und seine Familie auf ein Boot sprangen, das nur halb voll mit Orangen aus Jaffa beladen war. Es war nur halb voll, weil der jüdische Farmer es für wichtiger hielt, Ben Yehuda aus dem Land zu bringen, als seine Orangen zu verkaufen – das war ein  enormes wirtschaftliches Opfer in den schwierigen Tagen.

TREFFEN MIT DER FÖDERATION DER AMERIKANISCHEN ZIONISTEN

Dr. Louis Brandeis, Richter am Obersten Gerichtshof der USA

In Amerika wurde Ben Yehuda bewirtet wie noch nie zuvor in seinem Leben. Viele berühmte Juden kannten Eliezer und Hemda bereits, weil namhafte Gelehrte und Politiker und Führungskräfte aus aller Welt schon oft Ben Yehuda in seinem Haus in Jerusalem besucht hatten. Daher wurde gleich nach ihrer Ankunft in den USA ein Empfang organisiert, wo Ben Yehuda eine Rede halten sollte.

Seine Leidenschaft und Klarheit bezüglich der Gefahren, Herausforderungen und Möglichkeiten für die Juden im Land Israel waren der Höhepunkt des Tages. Er sprach sehr eindringlich: „Wir, die Juden, müssen uns als würdig erweisen, dass uns unsere Bestimmung anvertraut wird.“ Unter den Zuhörern war auch Dr. Louis Brandeis, ein Vertrauter von Präsident Woodrow Wilson und der erste Jude überhaupt, der am Obersten Gerichtshof der USA gedient hat. Er bat Eliezer dieselbe Rede auch vor den wichtigsten jüdischen Führungskräften Amerikas zu halten, die mit dem Zionismus sympathisierten. Drei Tage später erklärten diese Leiter, dass sie auf der Seite der Alliierten seien – ein  unglaublich wichtiger Sieg, der letztendlich dazu verhalf, dass die Vereinigten Staaten sich den Alliierten anschlossen.

VIER JAHRE KONZENTRIERTE ARBEIT AM WÖRTERBUCH

Der wohlhabende US-Botschafter für das Osmanische Reich,  Henry Morgenthau, arrangierte ein Haus für die Ben Yehudas und einen speziellen Raum in der Öffentlichen Bibliothek von New York, mit all den Büchern, die er für seine Arbeit am Wörterbuch benötigte. Von 09:00 – 18:00 Uhr konnte Eliezer nonstop arbeiten, ohne sich um Essen oder Unterkunft kümmern zu müssen und ohne belästigende Orthodoxe oder Türken vor seiner Tür. Obwohl seine vorigen Notizen im Amerikanischen Konsulat in Jerusalem verstaut waren, konnte er den Großteil seiner Recherche zu den übrig gebliebenen Buchstaben des Alphabets abschließen!

Anlässlich von Eliezers 60. Geburtstag wurde in der Carnegie Hall eine riesengroße Feier organisiert. Er wurde von einem Redner nach dem anderen gepriesen – und wurde mit den Propheten des alten Israel verglichen, die oft nicht beliebt waren, aber ihrer Berufung immer treu blieben. Um alles noch abzurunden,  gab ihnen die jüdische Gemeinschaft Amerikas die fürstliche Summe von 10.000 $, um sich ein eigenes Haus in Jerusalem zu bauen!

BRANDEIS SPRICHT MIT DEM PRÄSIDENTEN ÜBER ISRAEL

Aber Ben Yehuda wusste, dass er noch eine Aufgabe zu erfüllen hat. Er musste von seiner Freundschaft mit dem Richter Brandeis profitieren, so lange er diese Gelegenheit noch hatte. Er musste ihn anflehen, seinen ganzen Einfluss zu nutzen, um Präsident Wilson zu überzeugen, die legitimen Rechte der Juden auf ein nationales Leben in ihrem alten Heimatland anzuerkennen. Brandeis war sich da nicht so sicher und fragte Ben Yehuda, ob er tatsächlich glaubt, dass die jüdische Gemeinschaft in Palästina genügend Infrastruktur hat, um regelrecht einen souveränen Staat zu gründen.

Ben Yehuda antwortete ihm: „Absolut!“ Er erklärte ihm, dass es eine dynamische Generation von jungen Einwanderern und schon welchen im Land geborenen gibt. Und er stellte ihm seinen Sohn Ben Zion vor, der sofort aufgegabelt wurde, um in ganz Amerika vor jüdischen Gemeinschaften als Sprecher für Israel aufzutreten. Also sprach Brandeis über dieses Thema mit dem Präsidenten, der ebenfalls sehr an der Lebensfähigkeit eines jüdischen Staates zweifelte. Brandeis wiederholte, was Ben Yehuda ihm gesagt hatte – vor allem über die fähige junge Generation von einheimischen Juden, die in Israel geboren und aufgewachsen sind – und erwähnte Ben Zion als Beispiel.

BILLY SUNDAY UND BENNY SATURDAY

0419 - Evangelist Billy Sunday

Evangelist Billy Sunday

Aus welchen Gründen auch immer dachte Präsident Wilson an Billy Sunday, den großen amerikanischen Evangelisten, der zufällig genau in den Tagen in Washington D.C. war und das Evangelium predigte. Wilson sagte Brandeis, wenn er es schaffte, dass Ben Zion auf dessen Bühne über Israel aus biblischem Standpunkt predigt, dann würde der Präsident ihn als Abgeordneten zu einer Konferenz schicken, wo die Grenzen der Nationen nach dem schrecklichen Krieg entschieden werden sollten. Es kam genau so! Billy Sunday überließ dem jungen Mann aus Jerusalem die Bühne und sagte: „Hier ist ein echter Israelit aus dem Land der Bibel! Wollen wir ihn willkommen heißen – Benny Saturday!“”

Billy Sunday nahm ihn fest in die Arme, klopfte ihm heftig ermutigend auf den Rücken und sagte: „Ben, sag ihnen die Wahrheit!“ Ben Zion zitierte Hezekiel 37 und sagte seiner riesigen christlichen Zuhörerschaft, dass Gott aus den Toten eine neue, wiederbelebte Nation von Juden im Heiligen Land hervorbringt. Die Menge brüllte vor Begeisterung und schrie „Benny Saturday! Benny Saturday!“

Und so wurde Ben Zion, dessen Name nun Itamar Ben-Avi war, zum Vertreter der jüdisch-zionistischen Bewegung, der von Präsident Wilson zur Konferenz der Kleinen Nationen während der Pariser Friedenskonferenz ausgesandt wurde.

Das Wichtigste dabei ist, dass 21.000 Christen bei der Zeltevangelisation von Billy Sunday, mit ihren eigenen Augen die Auferstehung des jüdischen Volkes sahen, wie es Ben Yehudas Sohn, das „erste hebräische Kind“ ihnen erklärte, und das ca. 30 Jahre bevor der Staat geboren wurde.

DIE GEBURT DER BALFOUR-DEKLARATION

0419 - Itamar Ben Avi

Itamar Ben Avi – ursprünglich Ben Zion Ben Yehuda

Auf jeden Fall war etwas Schwung reingekommen in Richtung Gründung eines jüdischen Staates. England gewann den Krieg. Es gab etliche christliche Männer im britischen Kabinett, die dem jüdischen Volk wohlgesonnen waren. Lord Balfour fragte Präsident Woodrow Wilson nach seinen Gedanken betreffend einem jüdischen Staat. Wilson war dafür. Am 02. November 1917 verkündigte Balfour, dass die Regierung Großbritanniens die Gründung „einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk“ befürwortet.

Ben Yehuda, der sich immer noch in den USA aufhielt, war wie im Rausch! Er antwortete mit einer Paraphrase von Psalm 126: „S’war wie ein Traum, als der Herr Zion aus seiner Knechtschaft wiederherstellte.“

Nur zwei Monate später kapitulierten die Türken und übergaben die Stadt Jerusalem an General Edmund Allenby, ein gläubiger Christ.

NACH HAUSE

Ben Yehuda wollte nur noch eine einzige Sache – nach Hause  fahren. Doch erstnach ein paar Monaten konnten sie eine Überfahrt mit einem Schiff buchen. Es kamen hunderte Menschen zur Anlegestelle von New York, um ihn zu verabschieden.

Als ihr Schiff in Ägypten ankam, nahmen sie einen Zug an die Grenze Palästinas. Dort kam der neue britische Gouverneur als erster um Ben Yehuda mit ausgestreckter Hand zu begrüßen. Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht sagte er: „Shalom alechem (Friede sei mit dir)!“ In all seinen visionären Träumen hätte sich Eliezer niemals vorstellen können, dass eine britische Autoritätsperson ihn auf Hebräisch begrüßen würde!

Doch in Jerusalem holte ihn die Realität wieder ein. Die Leute redeten nicht mit ihm, weil er während des Krieges „geflohen“ war. Sein Haus war ausgeräumt worden, weil sein Sekretär die Möbel verkauft hatte, damit er und seine Familie überleben. Nur Eliezers Bibliothek war unberührt geblieben, weil sie verschlossen war. Aber in allen anderen Räumen hatten sich Hausbesetzer breitgemacht, die er nur durch eine  Gerichtsverhandlung loswerden konnte. Doch das Wichtigste war, dass die Manuskripte seines Wörterbuchs wohlbehalten aus dem amerikanischen Konsulat zurückgeholt werden konnten.

SAN REMO – EINES DER ALLERWICHTIGSTEN DOKUMENTE ÜBERHAUPT

Doch eins der großartigsten Ereignisse in Eliezers ganzem Leben stand ihm noch bevor – die Einberufung der San Evangelist Billy Sunday Itamar Ben Avi – ursprünglich Ben Zion Ben Yehuda Credit: Wikimedia Remo Konferenz. Auch wenn sie heutzutage viel weniger anerkannt und gefeiert wird als die Balfour Deklaration, war San Remo weitaus wichtiger. Es stimmt, die Balfour Deklaration war die erste öffentliche Erklärung zur Unterstützung der Idee einer nationale Heimstätte für das jüdische Volk. Aber hier hatten sich 52 Nationen versammelt, um entsprechend der Sieger und Verlierer die Aufteilung der Territorien zu diskutieren.

Die Juden und Palästinenser interessierten sich nur für eine einzige Sache. Was würde in San Remo bezüglich eines jüdischen Staates entschieden werden? Wiederum konnte Eliezer weder essen, schlafen oder still stehen. Er konnte noch nicht mal an seinem Wörterbuch arbeiten. Dann kam eines Morgens Itamar mit einem Telegramm ins Haus gerannt. Darin stand, dass 52 Nationen einstimmig einem Britischen Mandat über Palästina zugestimmt hatten – und zwar, dass es gemäß der in der Balfour Deklaration bestimmten Grundsätze verwaltet wird!!!

„ICH HABE MEINE BESTIMMUNG ERFÜLLT“

Eliezer konnte nicht mehr vor lauter Freude. Sein Enkel schrieb in seinem Buch Fulfillment of Prophecy von Eliezer Ben Yehuda II, dass er dies alles als die Erfüllung der Prophetien sieht. Die Messianischen Tage waren in  Reichweite. Er rief: „Jetzt habe ich die Bestimmung meines Lebens erfüllt und kann in Frieden sterben!“

Die San Remo Resolution vom April 1920 war sicherlich viel wichtiger als die Balfour Deklaration, betreffend  internationales Recht. Denkt doch mal nach! Zweiundfünfzig Staaten ratifizierten die Balfour Deklaration und gaben Großbritannien das Mandat, den Weg zu einem jüdischen Staat vorzubereiten. Obendrein ratifizierte der Völkerbund am 24. Juli 1922 die San Remo Deklaration!

HEBRÄISCH WIRD EINE OFFIZIELLE SPRACHE

Es geschahen weitere Wunder. Großbritannien ernannte Sir Herbert Samuels, einen Juden, als Hochkommissar des Britischen Mandats. Kurz nach seiner Ankunft wurde Eliezer und Hemda von Samuels eingeladen, seine offiziellen Gäste beim Schabbat-Gottesdienst und Mittagessen zu sein. Er fragte Ben Yehuda, ob er ihm und seinen Kindern Hebräisch unterrichten würde! Bei dieser Gelegenheit verriet ihm Samuels, dass er vorhat, offiziell die Hebräische Sprache als eine der drei legalen Sprachen seiner Regierung zu erklären, neben Englisch und Arabisch. Das geschah am 11. Juni 1920. Eliezers Freude war grenzenlos.

Aber Samuels warnte Eliezer auch, dass er nun schleunigst mit ganz vielen neuen Wörtern kommen müsse – wie z. B. Spitäler, Gesundheitskliniken, Nachrichtenagentur, Kaffeehäuser, Restaurants und die verschiedensten Regierungsstellen. Dies waren glorreiche Tage für Eliezer! Viele Juden in Palästina waren überzeugt, dass die Wiedergeburt ihrer Nation nahe bevorstand.

 

0419 - Dr Chaim Weizmann

Dr. Chaim Weizmann, letzte Person, die Ben Yehuda besucht hat, als sie darüber diskutierten, wie sie die Juden zur Einwanderung ins Land Israel ermahnen sollten. Er wurde der erste Präsident des Staates Israel.

ARABISCHE GEWALT UND DAS „WHITE PAPER“ (WEISSBUCH)

Doch die Juden Palästinas sollten noch viele Herausforderungen erleben, bevor dieser Tag kam. Während der fünf Dienstjahre Samuels brachten die arabische Gewalt und unkontrollierbare Ausschreitungen den Britischen  Premierminister Winston Churchill dazu, am 03. Juni 1922 sein tragisches „White Paper“ zu veröffentlichen. Darin erklärt er, dass in den nächsten fünf Jahren nur 75.000 Juden ins Heilige Land einwandern dürfen, und danach niemand mehr. Das war eine Schreckensbotschaft. Chaim Weizmann, der  berühmte Chemiker, der bei der Erstellung der Balfour Deklaration großen Einfluss ausgeübt hatte, fuhr nach Israel und realisierte, dass die Juden von diesem schmalen Fenster der Einwanderungsmöglichkeit nach Israel nicht Gebrauch machten. Die Juden wanderten nicht ein, weil sie Angst vor den arabischen Ausschreitungen hatten.

Weizmann traf sich etliche Stunden lang mit Ben Yehuda. Er flehte Eliezer an, einen weiteren Weckruf an die Juden zu schreiben, dass sie nach Hause kommen. Kein anderer als Ben Yehuda konnte einen solch leidenschaftlichen Appell verfassen, und dieser Aufruf war extrem dringend. „Die Zeit zu kommen ist JETZT!“ Weizmann flehte sie an. „Die Tore sind offen, und unser Volk kommt nicht zurück. Dies ist ein  günstiger Moment, der nicht von Dauer sein wird.“

Ben Yehuda war erschöpft. Er hustete ständig, und mit jedem blutigen Husten wurde er schwächer. Aber als Weizmann darauf bestand, antwortete Ben Yehuda: „Du bist der Leiter. Dein Wunsch ist mir Befehl. Ich werde es für dich verfassen.“

Drei Tage lang versuchte Ben Yehuda einen Artikel zu schreiben. Doch es gelang ihm nicht. Sein Kopf war leer. Hemda kam zu Mitternacht in sein Büro und sagte ihm, er könne doch am nächsten Tag weiterschreiben, jetzt müsse er aber schlafen. Er legte sich auf eine nahegelegene Couch. Doch kurz danach rief er nach Hemda. Er konnte nicht mehr richtig atmen. Sofort wurde nach Hilfe gerufen und fünf Ärzte versorgten ihn, während die Kinder sich um ihn scharten. Man gab ihm Sauerstoff und für eine Weile wurden seine Augen klarer, und er sagte auf Hebräisch: „Ich glaube!“ Dann sank er zurück auf die Couch, auf der er lag. Innerhalb weniger Minuten war er verstorben. Es war der 16. Dezember 1922. Er war 64 Jahre alt.

ERSTES STAATSBEGRÄBNIS DER JÜDISCHEN „NATION“

Plötzlich wurde seine Größe anerkannt! Bei seinem Begräbnis folgten 30.000 Juden und Araber der Prozession zu seinem Grab auf dem Ölberg. Es kamen Siedler aus dem ganzen Land – sogar die Ultra-Orthodoxen. Es war tatsächlich das erste Staatsbegräbnis der jüdischen Nation! In Palästina wurden drei Tage Staatstrauer angeordnet.

Die Juden Palästinas sollten noch ein weiteres Viertel-Jahrhundert warten, bis sie die Geburt ihrer Nation erlebten. Doch alle Schulen in Palästina lehrten schon auf Hebräisch. Eliezer und Hemda hatten fünf Bände seines Wörterbuchs herausgebracht. Und er hatte das Material für weitere elf Bände vorbereitet. In der jüdischen Gemeinschaft wurden die Gerichte, die Theater, die Unternehmen, die Gesellschaft und die öffentlichen Angelegenheiten auf Hebräisch abgewickelt.

 

0419 - Eliezer Ben Yehudas death bed

Eliezer Ben Yehuda, 1858–1922. In der Nacht, als er starb, bedeckte ihn Hemda mit einer Flagge mit dem Stern Davids drauf. Er hatte sie von der jüdischen Gemeinschaft Amerikas bekommen, während seines vierjährigen „Exils“ aus Jerusalem.

WAS WAR SEIN GEHEIMNIS?

Eliezer Ben Yehuda lebte 41 Jahre lang mit einer tödlichen Tuberkulose, die sogar Devora tötete. Sie war nur 10 Jahre lang seine erste Frau und starb an derselben Krankheit. Drei seiner Kinder sarben nur wenige Monate später an einer landesweiten Grippeepidemie. Er verlor durch Krankheit weitere zwei Kinder, von seiner zweiten Frau Hemda. Die Ultra-Orthodoxen und die osmanisch-türkischen Behörden hatten sein Leben zur Hölle gemacht. Nach zehn Jahren Blut, Schweiß und Tränen in Jerusalem sprachen nur sehr wenige Juden Hebräisch als ihre Muttersprache.

Er durchlebte einen Rückschlag nach dem anderen, während er versuchte, ein hebräisches Wörterbuch für sein jüdisches Volk zu schaffen. Er und seine Familie lebten in bitterer Armut und Not, außer den letzten sieben Jahren seines Lebens. All das lässt uns nur erahnen, welche Mühen und Enttäuschungen er erlebt haben muss.

Was gab ihm die Fähigkeit zu überleben und erfolgreich zu sein, bei solch niederschmetternden Schicksalsschlägen?

Die Vision. Es war die Vision.

Jahre zuvor hatte er die Antwort seiner Familie mitgeteilt:

„Ich hatte eine Vision, und in meiner Vision wurde ich aus Osteuropa, aus dem kalten Elend des Winters, weggebracht und ging über den Jordan bei Jericho, wo die Kinder Israel hinübergegangen waren. Ich ging auf das Wasser zu und da hörte ich eine Stimme in meinen Ohren, die sagte: ‚Die Erlösung Israels ist in seinem Land und in seiner Sprache!‘“

Wer hätte ihm diese Vision geben können, wenn nicht Gott?

 

Principle Sources: Fulfillment of Prophecy, Eliezer Ben Yehuda, by Eliezer Ben Yehuda (grandson) 2008; Tongue of the Prophets, The Life Story of Eliezer Ben Yehuda by Robert St. John 1952; https://goo.gl/MVmMUK; https://goo.gl/8r29uN

DONATE

EIN ALTES VOLK FORDERT SEIN ALTES ERBE ZURÜCKDIE GOLANHÖHEN

0619 - Golan heights

Photo: APimages

Als ich im Oktober 1967 zum ersten Mal nach Israel zog, besuchte ich eine Familie, die in einem Kibbuz am Fuße der Golanhöhen lebt. Der Vater erzählte mir, wie er und sein Sohn vor ihrem Haus waren, als plötzlich syrische Soldaten anfingen, von den Hängen der Golanhöhen auf sie herabzuschießen.

Sie rannten um ihr Leben und erreichten die Sicherheit ihres Hauses. Aber, sagte er, 19 Jahre lang, seit der Unabhängigkeit Israels, wussten sie nie, wann und wo die nächsten Kugeln ihren Kibbuz erreichen würden. Bis zum Sechstagekrieg, der alles veränderte.

Im Juni 1967 kam eine Horde von mehreren hundert syrischen Panzern die Golanhöhen hinunter. Die Syrer hatten nicht zugelassen, dass ihre Zivilbevölkerung auf den Höhen vor Galiläa lebt, so dass es keine zivilen Hindernisse für das militärische Ziel Syriens geben würde, Israel zu zerstören.

Diese zerklüfteten Klippen und Abgründe, die sich über 40 Meilen erstrecken und eine Höhe von 2.814 Metern erreichen, dienten der Schaffung eines undurchdringlichen Netzwerks von Befestigungen, Gräben und Betonbunkern, die hinter dichten Minenfeldern liegen.

Einige Jahre zuvor war Eli Cohen, ein israelischer Spion, jedoch zum Chefberater des syrischen Verteidigungsministers
geworden. Aus vorgetäuschter Sympathie für die Soldaten, die in der Sonne saßen, wies Cohen die Syrer an, neben ihren Bunkern Bäume zu pflanzen, damit sie etwas Schatten bekamen.

Darüber hinaus erfuhr Cohen von einem geheimen Plan Syriens, drei aufeinanderfolgende Reihen von Bunkern und Mörsern zu schaffen; die israelischen Streitkräfte hätten normalerweise erwartet, nur auf eine einzige Linie zu treffen.

0619 - Eli Cohen

Eli Cohen, Israeli spy whose intelligence greatly helped Israel to scale in two days the “impenetrable fortifications” on the slopes of the Golan Heights

Eli Cohen wurde zwei Jahre vor dem Sechstagekrieg in Damaskus gefangen und öffentlich gehängt, aber die Bäume waren immer noch da und identifizierten den genauen Standort jedes Bunkers! Aufgrund von Cohens strategischen Befehlen an die syrischen Soldaten Jahre zuvor, waren die Israelis in der Lage, fast alle Bunker präzise zu zerstören und die Höhen des Golan bis zum nächsten Tag einzunehmen.

Die von Eli Cohen gesammelten Informationen gelten als wichtiger Faktor für Israels wundersame zweitägige Eroberung der Höhen. Er ist ein Nationalheld in Israel.

3500 JAHRE ZUVOR

Die Verbindung der Golanhöhen zu Israel reicht mehr als 3500 Jahre zurück! Es waren eigentlich Mose und die  Israeliten, die dieses Hochplateau (damals Baschan genannt) eroberten, als sie König Og töteten, einen Riesen, dessen Bett 4 m lang war. Mose übergab Baschan an den halben Stamm Manasse, die Nachkommen Josephs1 – eine Fläche von fast 700 Quadratmeilen (1800 Quadratkilometer).

Joshua 13:30 erwähnt auch, dass sie sechzig Städte in Besitz genommen haben, die später als Großstädte mit Mauern und ehernen Riegeln bezeichnet wurden. [1. Könige 4, 13] Von diesen erhielten die Leviten, die die Anbetung des Gottes Israels leiteten, dreizehn Städte in Baschan. [1. Chronik 6, 47]

Hunderte von Jahren später, als Esra und Nehemia einen Überrest von Israeliten in Jerusalem versammelten, stand Esra auf einer erhöhten Plattform und las ihnen das Buch des Gesetzes vor. Dann leitete die Leviten diese zurückgekehrten Vertriebenen im Lobpreis vor Gott und dankten Ihm für das Land, das Gott den Nachkommen Abrahams gegeben hatte, und sagten: „Du gabst ihnen [den Kindern Israel] Königreiche und Völker und teiltest ihnen das ganze Gebiet aus, dass sie … das Land Ogs, des Königs von Baschan einnahmen.“ [Nehemia 9, 22]

Aber die Geschichte Israels in Golan endet nicht damit.

Zu Zeiten der Makkabäer und sogar zu Jeschuas Lebzeiten lebten und arbeiteten Juden auf dem Golan Plateau. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels wurde das jüdische Volk wieder ins Exil geschickt. Dennoch gab es noch einen Überrest, der bis ins 7. Jahrhundert im Golan lebte.

Die Synagoge in Katzrin, am Fuße der Golanhöhen – ein wunderbarer historischer Ort, den man besuchen sollte – wurde im 6. Jahrhundert gebaut, bis sie durch die Eroberung der Muslime in eine Moschee verwandelt wurde. Tatsächlich wurden weitere 25 Synagogen in der Gegend ausgegraben. Diese wurden bis zur muslimischen Eroberung im 7.  Jahrhundert verwendet. Die muslimische Herrschaft unterbrach die mehr als 1.600 Jahre andauernde jüdische Residenz und zwang die Juden, die in der Gegend lebten, zu religiösen Bekehrungen. Dennoch gibt es auch nach der muslimischen Eroberung einige Hinweise auf das jüdische Leben auf dem Golan.

EIN ÜBERREST KEHRT ZUM GOLAN ZURÜCK.

Ende des 19. Jahrhunderts erwachte die zionistische Bewegung aus ihrem jahrhundertelangen Schlaf. Langsam aber sicher begann ein jüdischer Überrest von der Auferstehung eines jüdischen Staates zu träumen. Die Golanhöhen wurden eindeutig als Teil ihres historischen Erbes betrachtet.

Ab 1883, ungefähr in der Zeit, als Eliezer Ben Yehuda, Vater der modernen hebräischen Sprache, und einige Pioniere ins Heilige Land zogen, wurden im Golan wieder jüdische Gemeinschaften gegründet. Bald darauf kaufte Baron Rothschild rechtmäßig 150 Quadratkilometer  des Golan Plateaus!

Sogar während und nach dem Ersten Weltkrieg, lange bevor das moderne Israel gegründet wurde, forderte die zionistische Bewegung öffentlich, dass ein jüdischer Staat gegründet werden muss, einschließlich der Golanhöhen, des Berges Hermon und sogar eines Teiles Libanons, der zum biblischen Erbe Israels  gehörte.

Viele der Gründerväter Israels waren aktiv daran beteiligt, eine wachsende jüdische Bevölkerung zu ermutigen und zu unterstützen, auf den Golanhöhen zu leben. Wiederum forderte die zionistische Bewegung auf der Friedenskonferenz von Versailles 1919 eindringlich, dass der zukünftige jüdische Staat die Golanhöhen und den so genannten Südlibanon und West-Syrien umfassen sollte.

DIE USA HABEN ZUGESTIMMT – DANN SIND SIE AUSGESTIEGEN!

Auf dieser Konferenz erkannten die Vereinigten Staaten diese von der zionistischen Bewegung geforderten Grenzen an! Die USA betonten, dass der jüdische Staat die Kontrolle über seine Wasserquelle auf dem Berg Hermon haben muss.

Am Ende wurde der Vorschlag der Vereinigten Staaten nicht einmal offiziell diskutiert, weil sich die USA aus den Diskussionen zurückgezogen haben! Großbritannien und Frankreich teilten das Heilige Land auf und überließen Frankreich den Golan. Doch die Zionisten förderten weiterhin Vorschläge für die biblischen Grenzen eines jüdischen Staates. Die Juden zahlten sogar Steuern an das französische Mandat für das Land, das Rothschild gekauft hatte.

Obwohl die Versailler Friedensabkommen die Gebiete des Golan aus dem Geltungsbereich der britischen Kontrolle ausschlossen, versuchten jüdische Organisationen dennoch weiterhin, Land im Golan zu kaufen.

Etwa fünfzehn Jahre später kaufte ein Käufer, Yehoshua Hankin, etwa 300 Quadratkilometer Land im Golan,  nordöstlich vom See Genezareth. Das Projekt scheiterte jedoch, sobald die lokale arabische Führung entdeckte, dass die zionistische Bewegung hinter dem Kauf stand.

Ob Sie es glauben oder nicht, zionistische Organisationen versuchten es bis 1946, als das französische Mandat endete und Syrien den Status einer unabhängigen Nation erhielt. Trotz der Gültigkeit der jüdischen Eigentumsrechte an diesen Gebieten und der Tatsache, dass sie rechtmäßig und legal erworben wurden, beeilte Syrien sich, den Besitz dieser Gebiete zu enteignen, verstaatlichte sie und beanspruchte sie als „heiliges Land“.

Die jüdischen Gemeindeführer versuchten dann, ihr Eigentum durch Gerichtsverfahren vor einem Gericht in Syrien zu verteidigen, aber ohne Erfolg.

 

0619 - Map - Golan

Die Golanhöhen grenzen an den Libanon, Syrien und Jordanien. Seine Höhe von über 9.000 Fuß war eine hervorragende Pufferzone zwischen Galiläa und Syrien. Tatsächlich war die Grenze Israels zu Syrien bis zum Bürgerkrieg in Syrien die ruhigste aller seiner Grenzen.

 

DAVID BEN GURION FORDERTE DAS GEBIET

Erstaunlicherweise hat das jüdische Volk immer noch nicht aufgegeben! Israels erster Premierminister, David Ben Gurion, änderte weder seine Ansicht über diese Gebiete, die aus dem Land Israel gerissen wurden, noch sein Bestreben, die historischen jüdischen Gemeinschaften in ihnen zurückzugeben und wiederherzustellen.

In einer Rede im Jahr 1947 sagte Ben Gurion: „Wir fordern, dass die jüdische Gemeinschaft den westlichen Teil des Landes Israel umfasst … den Hauran [Westsyrien], den Baschan und den Golan bis südlich von Damaskus“.

Bis heute besitzt der Jüdische Nationalfond die Eigentumsrechte für viele Grundstücke im Golan und sogar im hauranischen Grenzgebiet zu Damaskus – Grundstücke, die mit jüdischem Geld zu Siedlungszwecken erworben wurden.

Aber es bedurfte einer Invasion Israels durch Syrien wegen dieses alten Erbes, das Gott Abraham, Mose, König David und ihren Nachkommen gegeben hatte, um einige der „Berge Israels“ an ihre ursprünglichen Besitzer zurückzugeben.

DONATE